Atlantik · Casablanca-Settat
El Jadida
auch Mazagan
33° 15′ N · 8° 30′ W
Die portugiesische Festungsstadt Mazagan, 1514 begonnen und 1541–1548 zur sternförmigen Festung ausgebaut, steht seit 2004 auf der Welterbeliste; Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sie wieder hergerichtet und El Jadida genannt. Die Gemeinde zählte 2024 237 464 Einwohner.
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Lage
El Jadida liegt an der Atlantikküste rund 90 Kilometer südwestlich von Casablanca; die portugiesische Festung Mazagan ist heute ein Teil der Stadt. Die Provinz El Jadida gehört zur Region Casablanca-Settat. Bei der Volkszählung 2024 zählte die Gemeinde El Jadida 237 464 Einwohner und war damit die größte Gemeinde der Provinz, die insgesamt 914 367 Menschen hatte.
Geschichte
Der Name Mazagan erscheint nach der Bewertung von ICOMOS seit dem 11. Jahrhundert in arabischen und europäischen Schriften; die Portugiesen sprachen ihn Mazagão aus. Als sie sich 1502 hier niederließen, stand an der Stelle nur ein Turm namens el-Brija. Nach einigen Jahren in behelfsmäßigen Unterkünften beschlossen sie 1514 den Bau einer Zitadelle, die die Brüder Francisco und Diogo de Arruda entwarfen.
1541, nach dem Verlust von Agadir, erweiterten die Portugiesen die Zitadelle zu einer Festung; die Pläne lieferte ein Team aus dem Portugiesen João Ribeiro, dem Spanier Juan Castillo und dem Italiener Benedetto da Ravenna. Bis 1548 entstand so eine sternförmige Anlage, die zu den frühesten Zeugnissen dafür gehört, wie portugiesische Baumeister die Festungsbaukunst der Renaissance auf die Feuerwaffen einstellten. Die Festung misst etwa 250 mal 300 Meter. Ihre leicht geneigten Mauern sind im Mittel rund 8 Meter hoch und 10 Meter dick, und ein etwa 20 Meter breiter Graben, früher mit Meerwasser gefüllt, umschloss sie.
Bauwerke
Erhalten sind vier Bastionen: die Engelsbastion im Osten, Sankt Sebastian im Norden, Sankt Antonius im Westen und die Heilig-Geist-Bastion im Süden. Die fünfte, die Gouverneursbastion am Haupteingang, liegt seit 1769 in Trümmern. Von den drei Toren bildete das Seetor mit der Nordostmauer einen kleinen Hafen. Die Zisterne, deren Entwurf João Castilho zugeschrieben wird, hat einen fast quadratischen Grundriss von 47 mal 56 Metern; ihre teils unterirdische Mittelhalle von 33 mal 34 Metern ruht auf Steinpfeilern mit Ziegelgewölben in manuelinischer Art.
Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt aus dem 16. Jahrhundert ist 44 Meter lang und 12 Meter breit, einschiffig, mit Chor, Sakristei und quadratischem Glockenturm. Vor ihr steht eine Moschee aus dem 19. Jahrhundert, deren Minarett aus dem alten Turm Torre de Rebate der Zisterne hervorging. Kirche und Zisterne liegen an der Hauptstraße Rua da Carreira, die zum Seetor führt. Die UNESCO zählt die Wälle mit ihren Bastionen, die Zisterne und die spätgotische Kirche im manuelinischen Stil zu den erhaltenen Bauten der portugiesischen Zeit.
1769 verließen die Portugiesen Mazagan, ihren letzten Stützpunkt in Marokko, und die Stadt blieb fast ein halbes Jahrhundert unbewohnt. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Festung wieder hergerichtet und erhielt den Namen El Jadida, „die Neue“; sie wurde ein Handelsplatz, in dem Muslime, Juden und Christen lebten. Sultan Moulay Abderrahmane ließ dazu die zerstörten Teile der Befestigung erneuern und eine Moschee bauen. Synagogen entstanden nach der Ankunft marokkanischer Juden im 19. Jahrhundert, und in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts kamen europäische Kaufleute, Missionare und Gesandte hinzu.
2004 nahm die UNESCO die Portugiesische Stadt Mazagan nach den Kriterien ii und iv in die Welterbeliste auf; das Gut umfasst 7,5 Hektar. Rund um den zugeschütteten alten Graben gilt eine 50 Meter breite Bauverbotszone, und im Oktober 2008 begannen Arbeiten, um die Ostseite der Mauern freizulegen und die Gräben wieder sichtbar zu machen. Verwaltet wird das Welterbe vom Studien- und Forschungszentrum für das marokkanisch-lusitanische Erbe (CERPML). Zur Zeit der Bewerbung lebten nach ICOMOS rund 3700 Menschen in der portugiesischen Stadt.
Wirtschaft
Südlich der Stadt liegt an der Autobahn nach Safi die Anschlussstelle Jorf Lasfar. Der gleichnamige Hafen schlug 2022 rund 34 Millionen Tonnen um und wurde 1269-mal angelaufen. Ausgeführt wurden vor allem Düngemittel, 8,4 Millionen Tonnen, eingeführt unter anderem Schwefel, Ammoniak, Kohle und 2,5 Millionen Tonnen Getreide.
Heute
Im Parc d’expositions Mohammed VI in El Jadida findet der Salon du Cheval statt. Die 16. Ausgabe vom 30. September bis 5. Oktober 2025 zählte fast 150 000 Besucher, dazu rund 1100 Pferde und mehr als 700 Reiter aus etwa 50 Ländern.
Anreise und Verkehr
Die Autobahn A1 erreicht El Jadida über den 28 Kilometer langen Abschnitt Tnine Chtouka–El Jadida, der am 4. November 2006 eröffnet wurde. Der 143 Kilometer lange Abschnitt El Jadida–Safi folgte am 1. August 2016; an der Stadt liegen die Anschlussstellen El Jadida Est und El Jadida Sud.
In Kürze
- Region
- Casablanca-Settat, Provinz El Jadida
- Einwohner
- 237 464 (Gemeinde, 2024)
- Provinz
- El Jadida, 914 367 Einwohner (2024)
- Festung
- 1514 begonnen, 1541–1548 ausgebaut
- Welterbe
- Portugiesische Stadt Mazagan, seit 2004
- Autobahn
- A1 Casablanca–El Jadida–Safi
Monate mit mildem Klima
Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober. Monate mit mittleren Tageshöchstwerten zwischen 17 und 30 °C und weniger als 60 mm Niederschlag; Casablanca-Anfa (WMO 60155, 56 m, 1991–2020).
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Geprüft am 24. Okt. 2026. Jede Zahl im Text öffnet ihre Quelle.