Osten · Oriental
Figuig
auch Figig
32° 07′ N · 1° 14′ W
Die Oase Figuig mit ihren sieben Ksour, den Terrassengärten des Palmenhains und ihrem Bewässerungssystem steht seit 2011 auf der Tentativliste des UNESCO-Welterbes. Seit 2022 führt die FAO die Ksour von Figuig als weltweit bedeutendes landwirtschaftliches Erbe (GIAHS).
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Lage
Figuig gehört zur gleichnamigen Provinz der Region Oriental. Die Oase liegt im äußersten Südosten Marokkos, rund 400 Kilometer südlich der Mittelmeerküste. Sie füllt eine weite Senke in durchschnittlich 850 bis 900 Metern Höhe, die von Bergrücken des Sahara-Atlas im Westteil der Monts des Ksour umrahmt wird; höchster Punkt der Umgebung ist der Djebel Taghla im Süden mit 1120 Metern. Auf drei Seiten grenzt die Oase an Algerien, die Landgrenze ist geschlossen.
Bei der Volkszählung 2024 hatte die Gemeinde Figuig 10 449 Einwohner in 2843 Haushalten. Die Provinz Figuig kam auf 144 451 Einwohner und wuchs zwischen 2014 und 2024 mit 0,43 Prozent im Jahr schneller als jede andere Provinz des Oriental. Im Alltag sprechen in der Provinz 83,2 Prozent der Menschen Darija und 35,8 Prozent Tamazight, während Tamazight im Durchschnitt der Region bei 7,1 Prozent liegt.
Bauwerke
Unter dem Namen Figuig stehen sieben Ksour, befestigte Dörfer, die drei Siedlungsgruppen bilden. Im Nordwesten liegen Loudaghir, Laâbidate, Oulad Slimane und El Maïz, im Nordosten Hammam Foukani und Hammam Tahtani; im Süden steht Zenaga allein, von den nördlichen Ksour durch eine steile Felsstufe getrennt, den Jorf. Zenaga ist der größte Ksar: Nach dem Bevölkerungsregister von 2004 lebten dort 7000 der 12 577 Bewohner der Oase.
Jeder Ksar ist von Mauern aus Erde umgeben, und die Häuser sind wie die Befestigungen aus Lehmziegeln auf Fundamenten aus Trockenmauerwerk gebaut. Als Baustoffe nennt der UNESCO-Eintrag Lehmziegel, Palmholz und Kalk; zu den schützenswerten Bauten zählt er Moscheen, Friedhöfe, die Synagoge, die Kirche Sainte-Anne, Marabouts, Tore und Plätze, dazu Wehrmauern und Wachtürme. Zwischen Laâbidate und Loudaghir liegt der verlassene Ksar der Ouled Jaber, dessen Wohnbereich von einer Mauer mit Türmen und Toren umschlossen war; seit 2009 sind dort Grabungen geplant.
Geschichte
Aus vorgeschichtlicher Zeit sind Felsgravuren erhalten, die ältesten werden dem Neolithikum zugeschrieben; die bedeutendste Stelle am Pass von Zenaga zeigt zwei geschmückte Schafe. Schriftlich erwähnt wird Figuig erst beim Geschichtsschreiber Ibn Khaldun. Nach dem Niedergang von Sijilmassa stand die Oase an der Spitze eines bedeutenden Karawanenhandels mit den Oasen der Sahara, und 1679 legte Moulay Ismail eine Garnison von Abid hierher, nach der der Ksar Laâbidate benannt ist. Die jüdische Gemeinde lebte in zwei Mellahs in Zenaga und Loudaghir und zählte zu Beginn des 20. Jahrhunderts 5000 Menschen. Damals gehörte Figuig zu den zehn größten Städten Marokkos.
Wirtschaft
Die Ksour sind an Quellen entstanden; die bekannteste ist die Quelle Thaddert. Gespeist werden die Gärten außerdem von zwei Oueds, dem Sheggaret al-Abid und dem Al-Ardja, und von zahlreichen Quellen aus einem oberflächennahen Grundwasser; im Norden der Oase wird mit Thermalwasser bewässert. Unterirdische Stollen, Khettaras oder Foggaras genannt, führen Wasser an die Oberfläche, wo es in Becken gesammelt und in Kanälen mit natürlichem Gefälle verteilt wird. Die Becken dienen in der Trockenzeit von Juli bis Oktober als Speicher.
Das Recht auf Wasser wird nicht als Menge vergeben, sondern als Zeit, gemessen in einer Einheit namens Kharrouba. Zum Messen der Bewässerungszeit dient ein schwimmendes, durchbohrtes Kupfergefäß. Über die Wasserrechte wacht die Jmaa; in jedem Ksar überwacht ein Srayfi die Messungen und die Reihenfolge bis zur letzten Parzelle, und die Kanäle werden in gemeinsamer Arbeit, der Twiza, instand gehalten.
Der Palmenhain umfasst etwa 650 Hektar; jeder Ksar besitzt seinen eigenen Teil, der in ummauerte Gärten gegliedert ist. Anfang des 20. Jahrhunderts standen hier rund 300 000 Dattelpalmen, deren Zahl die Bayoud-Krankheit seither verringert hat. Alle Dattelpalmen sind lokaler Herkunft und gehören 14 Sorten an; darunter wachsen in Stockwerken Oliven, Getreide, Luzerne, Gemüse und Obst wie Feigen, Aprikosen, Quitten und Pflaumen. Von der Dattelernte bleiben nach Angaben der FAO 46 Prozent im eigenen Haushalt, 30 Prozent gehen an das Vieh und nur 20 Prozent in den Verkauf.
Die FAO beschreibt Figuig als ein System, in dem die Oasenbauern mit den Hirten der Nachbargemeinde Abbou Lakhal seit jeher Waren und Dienste tauschen; typisch für die Region ist das Schaf der Rasse Beni Guil. Abbou Lakhal zählte 2024 1790 Einwohner. Die Landwirtschaft ist die wichtigste Erwerbsquelle der Oase; das Handwerk wird vor allem in den Familien betrieben, mit dem Weben von Burnussen und Teppichen.
Marokko reichte die Oase am 30. Mai 2011 für die Tentativliste des Welterbes ein, als Kulturerbe nach den Kriterien iii, iv und v. Der Eintrag betrachtet die sieben Ksour mit ihren älteren Siedlungsplätzen, die Terrassengärten mit ihrer Vielfalt an Kulturen und Palmensorten sowie Foggaras, Becken und Kanäle als zusammenhängendes Ganzes. Er sieht darin ein Beispiel saharischer Siedlungsweise aus der Zeit des Karawanenhandels, bei dem die überlieferte Bewässerung erhalten geblieben ist.
In Kürze
- Region
- Oriental
- Provinz
- Figuig, 144 451 Einwohner (2024)
- Einwohner
- 10 449 (2024)
- Höhe
- 850–900 m (Mittel der Senke)
- Sprachen
- Darija 83,2 %, Tamazight 35,8 % der Provinzbevölkerung (2024)
- Welterbe
- Tentativliste der UNESCO seit 2011
- Agrarerbe
- GIAHS der FAO seit 2022
Monate mit mildem Klima
März, April, Mai, Oktober, November. Monate mit mittleren Tageshöchstwerten zwischen 17 und 30 °C und weniger als 60 mm Niederschlag; Bouarfa (WMO 60200, 1142 m, 1991–2020).
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